Eine Perücke richtig zu waschen und zu föhnen ist die wichtigste Pflege, die du ihr geben kannst, und zugleich der Moment, in dem am meisten schiefgeht. Heißes Wasser, Rubbeln oder Conditioner auf der Lace, und schon verfilzen die Längen oder die Knoten lockern sich. In diesem Beitrag gehen wir die Wäsche Schritt für Schritt durch, von der Vorbereitung über das Trocknen bis zum Föhnen. Die Anleitung gilt für Echthaar-Perücken, die abgenommen sind: für Glueless-Perücken, die du selbst auf- und absetzt, und für geklebte Perücken, wenn sie zum Neupositionieren ohnehin herunterkommen.

Das brauchst du für die Wäsche

Bevor das erste Wasser fließt, leg alles bereit. Nichts ist ungünstiger als eine nasse Perücke im Waschbecken, während du noch den Kamm suchst.

WerkzeugWofürWorauf du achtest
Grobzinkiger KammEntwirren vor und nach der WäscheImmer von den Spitzen aufwärts arbeiten
Mildes, sulfatfreies ShampooReinigen, ohne auszutrocknenSparsam und mit Wasser verdünnt
Conditioner oder MaskeGeschmeidige LängenNur in Längen und Spitzen, nie auf Lace und Knoten
Ölhaltiger RemoverKleberreste an der Lace lösenEinwirken lassen, tupfen statt reiben
Weiches HandtuchWasser aufnehmenDrücken, nicht rubbeln oder wringen
Perückenkopf oder StänderTrocknen in FormNicht an den Haaren aufhängen
HitzeschutzSchutz beim Föhnen und StylenVor jeder Hitze in die Längen
Föhn mit AufsatzdüseGezielt und schonend trocknenMittlere Stufe, Abstand halten

Vor der Wäsche: die Perücke vorbereiten

  1. Setz die Perücke auf einen Perückenkopf oder leg sie auf ein Handtuch.
  2. Kämm das trockene Haar mit dem grobzinkigen Kamm durch, Partie für Partie, von den Spitzen zum Ansatz. Knötchen, die du jetzt nicht löst, ziehen sich im Wasser fester zusammen.
  3. Lockiges Haar entwirrst du mit den Fingern, damit die Lockenstruktur erhalten bleibt.
  4. Löse Kleber-, Puder- und Make-up-Reste an der Lace mit ölhaltigem Remover. Einwirken lassen, dann vorsichtig abtupfen.
  5. Wirf einen Blick auf Spitze und Front: Risse, lichte Stellen oder lose Bänder werden beim Waschen nicht besser, sondern schlimmer.

Kleberreste gehören vor der Wäsche weg, nicht danach. Nass verschmieren sie leicht in die feinen Haare an der Front. Eine HD Lace ist dabei besonders empfindlich, hier arbeitest du mit so wenig Druck wie möglich.

Die Wäsche Schritt für Schritt

Die Wuchsrichtung ist die Richtung, in die das Haar wächst: vom Ansatz zu den Spitzen. An ihr orientiert sich jeder Schritt.

  1. Nimm lauwarmes Wasser, kein heißes. Heißes Wasser trocknet das Haar aus.
  2. Feuchte das Haar in Wuchsrichtung an und lass das Wasser von oben nach unten durchlaufen. Die Perücke nicht kopfüber im Becken herumwirbeln.
  3. Verdünne das Shampoo mit etwas Wasser und streich es sanft in die Längen. Nicht rubbeln, nicht kreisen, nicht zusammenknüllen.
  4. Reinige die Innenseite und die Lace vorsichtig mit den Fingerspitzen. Dort sitzen Schweiß, Talg und Hautrückstände.
  5. Spül gründlich in Wuchsrichtung aus, bis kein Schaum mehr kommt.
  6. Gib Conditioner nur in Längen und Spitzen und lass Lace und Knoten aus. Kurz einwirken lassen und wieder in Wuchsrichtung ausspülen.
  7. Streich das Wasser mit den Händen sanft von oben nach unten aus.

Warum so viel Wuchsrichtung? Echthaar hat eine Schuppenschicht, die in eine Richtung zeigt. Gegen den Strich gewaschen stellen sich die Schuppen auf, die Haare haken ineinander und verfilzen. Bei einer Perücke kommt dazu: Jeder Zug landet direkt am Knoten in der Lace. Shampooreste in der Kappe machen das Haar stumpf und können später an der Kopfhaut jucken, deshalb lieber einmal mehr ausspülen.

Trocknen ohne Schaden

  1. Leg die Perücke in ein weiches Handtuch und drück das Wasser heraus. Nicht rubbeln, nicht wringen.
  2. Entwirre die Längen im feuchten Zustand mit dem grobzinkigen Kamm, wieder von unten nach oben.
  3. Setz die Perücke auf einen Perückenkopf oder Ständer, damit die Kappe ihre Form behält und die Lace nicht gedehnt wird.
  4. Lass sie an der Luft trocknen, nicht in der prallen Sonne und nicht auf der Heizung.
  5. Trag, lagere oder style die Perücke erst, wenn Haar und Kappe vollständig trocken sind.

Eine feuchte Kappe auf dem Kopf ist wie ein nasses Tuch auf der Haut. Es bleibt warm und feucht, die Kopfhaut juckt, und die Perücke kann muffig riechen. Wenn es schnell gehen muss, gilt deshalb: lieber schonend föhnen als feucht tragen.

Föhnen: so bleibt das Haar gesund

  1. Lass die Perücke antrocknen, bis sie nicht mehr tropft. Je weniger Wasser im Haar ist, desto kürzer brauchst du Hitze.
  2. Gib Hitzeschutz in die Längen und kämm ihn gleichmäßig durch.
  3. Stell den Föhn auf mittlere Temperatur und setz die Düse auf.
  4. Arbeite in Partien und führ den Luftstrom immer von oben nach unten, in Wuchsrichtung. So legt sich die Schuppenschicht an, und das Haar glänzt.
  5. Halte die heiße Luft von der Lace fern. Die feine Spitze an Front und Scheitel lässt du an der Luft oder mit kühler Stufe trocknen.
  6. Geh zum Schluss kurz mit kalter Luft über die Längen, damit die Form hält.
  7. Nimm Glätteisen oder Lockenstab erst, wenn das Haar vollständig trocken ist, und nie direkt an der Lace.

Denk immer daran: Das Echthaar einer Perücke wächst nicht nach. Jeder Hitzeschaden bleibt, und verbrannte Spitzen lassen sich nur abschneiden. Diese Anleitung gilt für Echthaar. Kunsthaar-Perücken vertragen in der Regel keine Hitze, außer der Hersteller weist sie ausdrücklich als hitzebeständig aus.

Wann die Wäsche in den Salon gehört

Bei einer geklebten oder eingenähten Perücke ist die gründliche Wäsche am Kopf schwierig. Wasser und Shampoo gelangen an Cornrows und Kopfhaut, die unter der Kappe nur langsam trocknen. Deshalb übernehmen wir die gründliche Reinigung am besten dann, wenn die Perücke ohnehin abgenommen wird, bei einer geklebten Installation also beim Neupositionieren nach 2–3 Wochen.

Auch sonst lohnt sich der Termin: wenn die Längen stark verfilzt sind, wenn sich Kleberreste nicht lösen, vor einem besonderen Anlass oder wenn du beim Waschen Risse oder lichte Stellen entdeckst. Was sich an Lace und Knoten reparieren lässt, erklären wir im Beitrag über Ventilation und Reparatur. Im Salon kostet Waschen und Föhnen 50 €, eine Pflege-Kur für trockenes Haar 70 €. Alle Preise findest du auf unserer Preisseite.

Häufige Fragen

Wie oft sollte ich meine Perücke waschen?

Eine feste Zahl gibt es nicht. Es hängt davon ab, wie oft du die Perücke trägst, wie viele Stylingprodukte du benutzt und wie stark du schwitzt. Wasch sie, wenn sich das Haar schwer anfühlt, sich Produkt sammelt, sie riecht oder die Innenseite sichtbar verschmutzt ist. Zu häufiges Waschen trocknet Echthaar aus, zu seltenes lässt Rückstände in der Lace sitzen.

Darf ich meine Perücke in der Waschmaschine waschen?

Nein. Trommel, Schleudern und Reibung verfilzen das Haar, dehnen die Kappe und reißen an Knoten und Spitze. Eine Perücke wird immer von Hand gewaschen.

Kann ich mein normales Shampoo nehmen?

Besser nicht. Nimm ein mildes, sulfatfreies Shampoo. Kräftige Reiniger trocknen Echthaar aus, und eine Perücke bekommt keine natürlichen Öle von der Kopfhaut, die das wieder ausgleichen.

Was tun, wenn es nach der Wäsche unter der Perücke juckt?

Oft sind es Shampooreste in der Kappe oder eine Kappe, die nicht ganz trocken war. Spül beim nächsten Mal gründlicher aus und trag die Perücke erst, wenn sie vollständig trocken ist. Was sonst noch hilft, steht in der Antwort auf die Frage, was du tun kannst, wenn es unter der Perücke juckt.

Fazit

Eine Perücke zu waschen ist keine große Kunst, aber eine Frage der Reihenfolge: erst entwirren und Kleberreste lösen, dann lauwarm in Wuchsrichtung waschen, Conditioner nur in die Längen, sanft trocknen und mit wenig Hitze föhnen. So schützt du Knoten, Lace und Haar. Die übrigen Pflegeregeln findest du in unseren 10 Pflegetipps für Echthaar-Perücken. Wenn deine Perücke schon verfilzt ist oder du unsicher bist, übernehmen wir die Wäsche bei unserem Perücken-Service in Berlin. Deine Fragen beantworten wir in der kostenlosen Beratung per WhatsApp unter 0175 8629759. Weitere Beiträge findest du im Ratgeber zu Perücken.